Physiologische Adaptionen des Ausdauertrainings
Nachfolgend sind 64 physiologische Adaptionen, d.h.: Anpassungen des menschlichen Körpers,
aufgeführt, welche als langfristige Folge eines vernünftig durchgeführten Ausdauertrainings,
wie z.B. 5 Stunden moderates Lauftraining pro Woche ausgebildet werden.
- Senkung der (Ruhe-)Herzfrequenz von knapp 70 auf 40-60 Schläge / min
aufgrund der Verlängerung der Erholungsphase nach der Herzkammerkontraktion
von ca. 0,4 auf ca. 0,6 Sekunden. Da der Maximalpuls kaum sinkt resultiert
eine Vergrößerung des Regulationsbereichs
- Normalisierung und Senkung des (vor allem systolischen) Blutdrucks mit
Zielwerten: 120 (Syst.) : 80 (Diast.) mmHg. Ab Werten von 160:95 mmHG wird man
als Hypertoniker bezeichnet. Anmerkung: Unter Belastung steigen die
systolischen Werte trotzdem auf 250 ( normal ) bis auf 400 mmHg (Gewichtheber)
- Senkung des Körperfettanteils und dadurch Gewichtsreduzierung, die unter
anderem zur Gelenkentlastung beiträgt. Grober Normwert für "gesunde" 20-29
jährige Männer: 17 / Frauen: 22 Mit zunehmendem
Alter steigen die Werte. Ausdauertrainierte haben nur 6 bis 13% Fett
- Vergrößerung des Herzvolumens von 700 ml auf 1100 ml (Beginn nach drei
Monaten Training)
- Vergrößerung des Herzschlagvolumens in Ruhe von 70 auf 100 ml und von 110
auf 200 ml bei Belastung (Förderleistung). Das Herzminutenvolumen steigt bei
Trainierten unter großer Belastung auf knapp 40 Liter/Minute. Bei
Untrainierten steigt es nur auf etwa 22 Liter/Minute
- Erhöhung der Sauerstoffaufnahmefähigkeit in einer Minute
VO2 max von 3 auf 6 l/min (absolut) bzw. von 37 auf 80
ml/min*kg (bezogen auf die Körpermasse)
- Ausbildung der Vitalkapazität (untrainiert: 4-5 l, trainiert: mehr als 5
l)
- Parallele Ausbildung der Einsekundenausatemkapazität. Diese sollte mind.
75% der Vitalkapazität ausmachen
- Normalisierung des Blutzuckerspiegels
- Senkung erhöhter Harnsäurewerte als Vorbeugung vor einem Gichtanfall, vor
Adipositas sowie vor Hypertonie
- Senkung der Anteile des Leberenzyms Gamma GT im Blut, welches sich vor
allem nach Alkoholmißbrauch anreichert
- Vergrößerung der Glykogenspeicher der Leber von 80 auf über 100 g, da die
Speicherentleerung Enzyme der Resynthese stark anregt
- Vergrößerung der Glykogenspeicher in der Muskulatur von 300 auf 400 g
- Erhöhung des Glucoseanteils im Blut von 40 auf 45 g
- Einschleusung von Fettsäuren in den Citratzyklus
- Verbesserung der Ausnutzung der Transportkapazität des Blutes
(arterio-venöse O2-Differenz)
- Bessere Durchblutung der Lunkenkapillaren
- Größere Sauerstoffentsättigung des Blutes
- Bessere Durchblutung der Muskeln durch Kapillarisierung und damit
verbundene Sauerstoffausnutzung im Muskel
- Erhöhung des Gehalts an Enzymen für den aeroben Stoffwechsel durch
Vermehrung und Vergrößerung der Mitochondrienzahl und -Dichte
- Zunahme der Myoglobinmenge (Sauerstoffspeicher in der Muskelzelle)
- Verbesserung der Rerulationsvorgänge durch schnellere Umschaltung von Ruhe
auf Belastung und umgekehrt
- Herzmuskel wird kräftiger und kann dadurch auch mehr Milchsäure abbauen
- Herzinnenräume werden größer
- Zunahme des Gesamtblutvolumens, dadurch Zunahme der Gesamthämoglobinmenge
für den Sauerstofftransport
- Schnellerer Abbau des Enzyms Kreatinkinase, das bei erhöhten Werten
Überlastung indiziert
- Senkung des Cholesterinspiegels
- Ökonomisierung der intermuskulären Koordination
- Polyploidisierung der Epithelzellen in der Leber
- Kräftigung angesprochener Sehnen und Knochen (in jedem Alter)
- Vorbeugung gegen Arteriosklerose
- Vorbeugung gegen Thrombose
- Verbesserung der Leberwerte
- Verbesserung der Nierenwerte
- Evtl. Erhöhung des Anteils der Elektrolyte im Blut
- Vorbeugung vor Herz-/Kreislauferkrankungen, altersbedingten
Leistungseinbußen
- Besserung bei bestehenden Krankheiten wie z.Bsp. Diabetes Mellitus,
Osteoporose, Arthrose, Depressionen, Migräne, Immunsystemerkrankungen, ...
- Rehabilitation (bei und nach Atemwegserkrankungen, kardiologischen
Erkrankungen, Operationen, rheumatischen Gelenkserkrankungen, ...)
- Entwicklung eines feineren Gefühls für den Zustand des eigenen Körpers
- Verbesserung der Autoregulation und Systemintegration
- Verbesserung des motorischen Ansteuerungsmusters, die Bewegung wird
flüssiger, lockerer und wirkungsvoller
- Zunahme muskulärer Proteine
- Anpassung der motorischen Regelkreise an die spezielle Bewegung (oft in
der vierten Trainingswoche, in dieser Zeit empfiehlt man eine Zurücknahme der
Gesamtbelastung)
- Anpassung der zentralnervalen Steuersysteme an den Strukturumbau der
Muskulatur nach vier Wochen
- Optimierung des Stoffwechsels durch Erhöhung der Aktivität von
Schlüsselenzymen und Vergrößerung der Substratspeicher
- Erhöhung der Hämoglobinmenge
- Steigerung des humoralen Abwehrpotentials
- Anpassung des Hormonsystems in Ruhe und bei Belastung
- Senkung des Insulinbedarfs der Muskelzellen
- Verminderung der Freisetzung der Hormone Cortisol und Aldosteron bei
submaximaler Belastung
- Aktivierung des Immunsystems. Bei vernünftiger Belastungsdosierung erfolgt
eine Steigerung der immunologischen Abwehrfähigkeit
- Verminderung der Kochsalzausscheidung mit dem Schweiß
- Verschiebung des Anteils der verschiedenen Muskelfasertypen zu gunsten der
ST-Fasern (bis 85%)
- Beschleunigung des Laktatabbaus in Leber, beanspruchter Muskulatur,
Herzmuskulatur und Nieren von 0,3 mmol/l auf 0,5 mmol/l in der Minute
- Verkürzung der Trägheitsphase des O2-Transportsystems zu Beginn
einer Belastung von 5 Minuten auf etwa 2 Minuten
- Abnahme des Hämatokritwertes von 47% auf 43%, bedingt durch die Zunahme
der Gesamtblutmenge (bis zu 30% oder von 5 auf 7 Liter) in Verbindung mit
einer Verschiebung des Verteilungsverhältnisses fester und flüssiger
Blutbestandteile
- Bei sehr hohen Umfängen: Vergrößerung der intramuskulären
Triglyceridspeicher
- Bei anaerobem Training: Erhöhung der Pufferkapazität des Bluts (diese
fängt die Übersäuerung ab)
- Erhöhung der Säuretoleranz des Bluts (Fähigkeit des Muskels, trotz
Laktatbildung die Arbeit aufrechtzuerhalten)
- Bei Übertraining: Erhöhung der Creatinkinase (CK)-Aktivität
- Abnahme der Laktatmobilisationsfähigkeit
- Förderung der Leistungsbereitschaft, Natürlichkeit, Gelöstheit,
Selbstsicherheit sowie der positiven Lebensgrundstimmung (blablabla)
- Verbesserung der Leistung des Kurzzeitgedächtnisses um bis zu 20% aufgrund
verstärkter Hirndurchblutung
- Ggf. Anstieg der Muskelkraft
nachzulesen in Engelhardt/Neumann: Sportmedizin, BLV 1994